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III. Wichtige Entwicklungen im Dammer Carneval

Exkurse zur Muna und zu den Anfängen des Bergbaus

Zu beiden Seiten des Windfangs im Museums-Eingang sind zwei Sonderthemen ausgestellt, die mit ihren Anfängen in die Zeit des „Dritten Reichs“ verweisen. Einmal ist es die Munitionsanstalt der Luftwaffe, kurz Muna, zum andern der Beginn des Eisenerzbergbaus, der im nächsten Raum ausführlich gewürdigt wird.

Die Wehrmacht ließ die Muna ab 1935 aufbauen, lagerte darin noch während des Zweiten Weltkrieges große Mengen Luftmunition, die ab 1944 von den britischen und amerikanischen Bombern gesucht, aber nie getroffen wurden. Die Räumung und systematische Sprengung nach dem Krieg dauerte über ein Jahr, während hier mindestens 300 Flüchtlinge unterzubringen waren. (Bild 1)

Das 1939 begonnene Eisenerzbergwerk ist Ergebnis der Rüstungs- und Kriegspolitik der Nationalsozialisten. Der Ausbau des Schachtes sowie der Aus- und Vorrichtungsstrecken dauerte jedoch selbst unter Einsatz von etwa 350 Kriegsgefangenen die gesamte Kriegszeit an, so dass kein Gramm Dammer Eisen in die Rüstungsindustrie gelangte. Für die zahlreichen Flüchtlinge bot das Bergwerk nach Kriegsende höchst willkommene Arbeitsplätze. (Bild 2)

Bergbau
Bild 2: Eisenerzbergbau

Im Zentrum des mittleren Raums steht in einer Vitrine die Urfahne mit dem aufgemalten Gründungsjahr der organisierten Fastnacht: Anno 1614.  Sie gilt als wesentlicher Beleg für eine erste Narrenvereinigung in Damme. Auf der Rückseite erklärt sich auch die Besonderheit der hiesigen Schreibweise, denn dort steht unmissverständlich Dammer Carneval. Das selbstgefertigte Kinderprinzenkostüm von 1949 bis 1958 und das Prinzenkostüm 1959 bis 1980 sowie einige weitere hochnärrische Insignien komplettieren die Ausstellungsstücke in der Vitrine. (Bild 4)


Bild 4: Fahnen-Vitrine

Vor den zentralen Stellwänden befindet sich in zwei Tischvitrinen die Ordensgalerie der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614, während an der Innenseite dieser Stellwände die Prinzen der Jahre 1949 bis 1953 in ihrer Tätigkeit am Rosenmontag auf großen Abbildungen gezeigt werden. Bemerkenswert ist dabei der gewählte Prinz des Jahres 1951 Johannes Gausepohl, der bereits nach kurzer Zeit wegen großer Bedenken der katholischen Kirchenvertreter und der politischen Gemeinde zurücktreten musste. Die Dammer feierten in diesem Jahr die „Narrenrepublik“. Das Bild zeigt ihn dann in einer Kutsche als „Prinz Hans I. im Exil“ im Rosenmontagsumzug. (Bild 6)

Prinz Hans I.
Bild 6: Prinz Hans im Exil

Büttenredner 1956
Bild 7: Entwicklung 1949-1953

Muna
Bild 1: Muna

Wer den Glas-Windfang durchschritten hat, wird von einem besonderen Zeitgenossen aus vergangenen Fastnachts-tagen begrüßt. In den 1950-er Jahren erschien dieser Schwellkopf regelmäßig in den Dammer Carnevalsumzügen – allerdings in wechselnder Kostümierung und im Verein mit zwei noch mehr Furcht erregenden Geschwistern. Sie tauchten erstmals im Mainzer Carneval zur Franzosenzeit auf, um die „Großkopferten“ zu verspotten. Die Gebrüder Leiber holten sie nach Damme. Eine weitere Würdigung der Schwellköpfe findet sich im Sonderausstellungsraum. (Bild 3)

Schwellkopf
Bild 3: Schwellkopf

Eines der Kapitel im Raum 1 befasst sich mit der oft gestellten Frage, warum Damme seinen Carneval eine Woche früher als alle andern feiert. Die Erklärung findet sich an der rechten Wand mit Hilfe dreier Portrait-Fotos. Zwei davon sind münstersche Bischöfe, die das Vierzigstunden-Gebet auf die Fastnachtstage legten und damit den Carneval abwürgen wollten. Das dritte Portrait ist dasjenige von Pastor Anton Mertz, der die bischöfliche Anordnung in Damme lange ignorierte, aber 1892 dann doch durchsetzen musste. Daraufhin verlegten die Dammer Narren ihren Rosenmontag um eine Woche nach vorn und blieben dabei bis zum heutigen Tage. (Bild 5)

Wendepunkt
Bild 5: Carnevals-Vorverlegung

Auf der Rückseite der Stellwände geht es chronologisch zu, denn für die Jahre 1949 bis 1953 gibt es jeweils zwei Tafeln. Sie erklären nacheinander, was den Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg in Damme ausge-zeichnet hat. Es beginnt mit dem „großen Wagnis“ in Zeiten von Not und Zerstörung nach dem Krieg und setzt sich fort über die Jahre mit ganz neuen Ansätzen, wie z. B. den Galasitzungen ab 1951, die ausschließlich mit eigenen Talenten im Bütten- und Musik-programm bestritten wurden. Dann geht es weiter mit der Entwicklung zum Carneval als Volksbewegung durch Förderung der Eigeninitiative, die schließlich bis heute dazu führte, dass Damme schon viele Jahre mit seinen über 9000 Mitwirkenden den größten Umzugs-Carneval Norddeutschlands zeigen kann. Auf der     Abbildung links sind Willy Enneking als "Trina" und Mans Büld als "Muck" 1956 auf einer     Galasitzung im Kolping-haus zu sehen. (Bild 7)

Wichtige Entwicklungen im Dammer Carneval

Ein weiteres Kapitel befasst sich mit der Zeit 1933 bis 1939, als es wiederum einen Neuanfang unter politisch ganz neuen Verhältnissen gab, die schließlich in einen weiteren Weltkrieg mündeten. Dieses Kapitel befindet sich an der linken Wandseite.

Riesenfindling

Als nach der Machtergreifung 1933 die Nationalsozialisten vermeintlich „deutsches“ Brauchtum förderten, nahmen die Dammer die Chance wahr und belebten ihren Carneval neu. Im ersten Jahr geschah das noch als „Entführung“ des kurz zuvor in Steinfeld aufgestellten Riesen-findlings in Form einer Attrappe. Ab 1934 gab es dann wieder einen regelmäßigen Rosenmontags umzug, ab 1938 zusätzlich noch den sonntäglichen Kinderumzug, und all die zuvor bereits gepflegten närrischen Veranstaltungen im Umfeld.

Luftschutzgruppe

Eine Auswahl der folgenden Bilder zeigt, dass die Dammer Narren die Themen der Zeit bereitwillig aufgriffen. Die von der NSDAP propagierten Aktionen des Reichsluftschutzbundes (RLB) fanden 1935 in einer „Luftschutz“Gruppe ihren Niederschlag.

Kraft durch Freude

Die Organisation von Vergnügungsfahrten war nach der Gleichschaltung Sache der NS-OrganisationKraft durch Freude“, die laut  Rosenmontagsumzug 1936 angeblich sogar Touren zum nahe gelegenen Dümmer durchführte - durchaus ironisch zu verstehen.

Wagen des Prinzen 1937

1937 traf der Wagen mit Sr. Tollität dem Prinzen, hier Hubert I. Wöbkenberg, nach alter Tradition zur Abschlusskundgebung auf dem Kirchplatz von St. Viktor ein.

Dammer Viehhändler

1938 stellte die seinerzeit sehr aktive Gruppe der Dammer Viehhändler, seit der Gleichschaltung „Viehverteiler" genannt, - in Vorahnung des 1 ½ Jahre später eröffneten Eisenerzbergwerks -- als närrische Glanzleistung - täuschend ähnlich eine Gruppe „Kumpel“ dar.

KdF-Wagen

1939 thematisierten einige Narren den „KdF“-Wagen, den Vorläufer des Volkswagens. Wiewohl die Form noch wenig an den Volkswagen, wie er später hieß, erinnerte, sparten seit geraumer Zeit viele Deutsche für dieses Volks-Auto, eine Aktion, die über die NS-Volkswohlfahrt bzw. die „Kraft durch Freude“-Organisation lief.


Die Sonderausstellung „In närrischer Eigenart. 400 Jahre Dammer Carneval“ wird in der früheren Frachtgüterhalle umfangreich weitergeführt. Das gleichnamige Buch ist mit über 1250 Abbildungen und 391 Seiten im Stadtmuseum Damme für 25 € erhältlich.

Sowohl zur Muna wie auch zum Eisenerzbergbau finden sich ausführliche Darstellungen in „Damme in Weltkrieg und Folgezeit“ (816 S., über 1600 Abb., 35 €); ebenfalls im Verkauf des Stadtmuseums Damme.